WM 2006: Beckenbauer soll von Millionenzahlungen gewusst haben

Die Staatsanwalt hält laut einem Bericht Beckenbauers Aussagen für falsch. Das Fußball-Idol soll von Überweisungen seines Managers an einen Fifa-Funktionär gewusst haben.

Im Skandal um die Vergabe der Fußball-WM hält die
Staatsanwaltschaft Frankfurt die Zeugenaussage von Franz Beckenbauer für
nachweislich falsch. Dass Beckenbauer von den Zahlungen nichts gewusst habe,
sei laut den Ermittlern eindeutig “widerlegt”. Dies berichtet der Spiegel in seiner aktuellen Ausgabe und
beruft sich hierbei auf einen Vermerk der Steuerfahndung, die Beckenbauers österreichische Bankunterlagen
ausgewertet hat. Weder die Staatsanwaltschaft noch Beckenbauer wollten den Spiegel-Bericht kommentieren.

Im Zuge der Vergabe der Fußball-WM 2006 nach Deutschland
sollen Franz Beckenbauer und sein Manager Robert Schwan über eine Schweizer
Anwaltskanzlei sechs Millionen Franken an eine Firma des damaligen Fifa-Funktionärs
Mohamed Bin Hammam überwiesen haben. Beckenbauer erhielt dafür sechs Millionen
von dem früheren Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus. Dieser überwies
darüber hinaus vier Millionen an die Firma des Fifa-Funktionärs.

2005 zahlte das WM-Organisationskomitee diese umgerechnet
6,7 Millionen Euro über ein Konto der Fifa an Louis-Dreyfus zurück. Deklariert
wurde das Geld als Beitrag für eine Fifa-Gala. Wofür die Zahlungen an den
katarischen Fifa-Funktionär bestimmt warten, ist bis heute unklar. Es wird
vermutet, dass damit Stimmen im Fifa-Exekutivkomitee gekauft
wurden, um die WM nach Deutschland zu holen.

Beckenbauer
behauptete stets, von den Zahlungen nichts gewusst zu haben. Es soll allein
sein 2002 verstorbener Manager Schwan gewesen sein, der das Darlehen mit
Louis-Dreyfus ausgehandelt hat. Dem widersprechen nun die Ermittlungen der
Staatsanwaltschaft, die besonders bei der vierten Tranche der Millionen-Zahlung auf Auffälligkeiten
stieß. Demnach ging der Überweisungsauftrag zunächst von Schwan an ein Fax von
Beckenbauer und von dort am nächsten Morgen mit Beckenbauers Unterschrift
weiter zur ausführenden Raiffeisenbank Kitzbühel. Laut der Staatsanwaltschaft
habe Beckenbauer also “Kenntnisse zu den Auslandsüberweisungen” gehabt und
daran mitgewirkt.

Gegen Beckenbauer wird in der Schweiz
wegen des Verdachts auf Betrug, Geldwäscherei und Veruntreuung ermittelt, da
die Transaktionen über die Schweiz liefen. Bei Anklage könnte der
Fußballfunktionär wegen “ungetreuer Geschäftsbesorgung” zu
einer Geldstrafe oder bis zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt werden. In
den Frankfurter Steuerermittlungen, gegen die früheren DFB-Funktionäre und
WM-Organisatoren Wolfgang Niersbach, Theo Zwanziger und Horst R. Schmidt ist Beckenbauer nur Zeuge. Diese
Ermittlungen drehen sich um die Rückzahlung der 6,7 Millionen Euro im Jahre
2005.

Die Beteiligten begründen die Millionenzahlungen mit einem Organisationskostenzuschuss der Fifa in Höhe von 250 Millionen Franken. Adidas-Chef Louis-Dreyfus hatte damals das Geld geliehen, da das WM-Organisationskommittee über keine eigenen Mittel verfügte. Später wurde das Geld dann über den DFB zurückgezahlt. Würde sich der Verdacht der Staatsanwaltschaft bestätigen, wäre der DFB der Geschädigte. Denn er zahlte am Ende die rund 6,7 Millionen Euro, die in den Jahren zuvor an Fifa-Funktionäre gingen.  

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