Venezuela: Russland gewährt Aufschub für venezolanische Schulden

In Venezuela droht eine Staatspleite. Nun hilft die russische Regierung: Ein 2011 gewährter Kredit über 2,7 Milliarden Euro muss nicht wie geplant bedient werden.

Venezuela hat sich mit Russland auf eine Umstrukturierung seiner Schulden geeinigt. Die Regierung des südamerikanischen Lands werde Russland in den nächsten zehn Jahren einen Kredit in Höhe von umgerechnet 2,7 Milliarden Euro zurückzahlen, teilte das russische Finanzministerium mit. In den ersten sechs Jahren müssten nur geringe Rückzahlungen geleistet werden.  

Venezuela hatte den Kredit bereits 2011 in Anspruch genommen, konnte aber seit 2016 wegen der Wirtschaftskrise im Land keine Rückzahlungen tätigen. Venezuela hat hohe Schulden, insgesamt werden die Forderungen
ausländischer Gläubiger auf umgerechnet rund 127 Milliarden Euro geschätzt.
Zudem herrscht in dem Land
eine enorme Inflation. Mehrere
Ratingagenturen bescheinigten dem Land bereits einen teilweisen
Zahlungsausfall, es droht die Staatspleite. Russland gehört zu den wichtigsten Geldgebern Venezuelas. Der russische Energiekonzern Rosneft ist in dem ölreichen Land aktiv.

Präsident Nicolás Maduro hatte Anfang November eine Neuordnung der Schulden angekündigt. Experten befürchten, dass die Pläne die schwerste
Schuldenkrise in Südamerika seit der Staatspleite Argentiniens 2001
auslösen könnte.

Auch die deutsche Wirtschaft warnt vor
erheblichen Ausfallrisiken für einige deutsche Unternehmen. “Das gilt
insbesondere für die Unternehmen, die in der Vergangenheit Waren und
Dienstleistungen an den venezolanischen Staat oder seine
Staatsunternehmen geliefert haben”, sagte der Außenwirtschaftschef des
Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Volker Treier. Ihnen gegenüber sei das
Land im Zahlungsverzug, zum Teil schon seit Jahren.

In Venezuela
gibt es seit Monaten einen Machtkampf zwischen dem
linksnationalistischen Staatschef Maduro und der Mitte-rechts-Opposition. Die
Opposition erkennt die im Juli eingesetzte verfassunggebende Versammlung nicht
an und macht den Staatschef für die wirtschaftlichen Probleme verantwortlich. Die Geldentwertung zog im Zuge dieser Krise an. Kritiker im In- und Ausland werfen der Regierung vor, die Demokratie in
dem Staat abzuschaffen und eine Diktatur zu errichten. Mindestens 125
Menschen wurden bei den politischen Unruhen seit Anfang April getötet.

Am Montag verhängten die EU-Staaten Sanktionen und ein Waffenembargo gegen die
venezolanische Regierung. Die EU-Außenminister beschlossen auf
ihrem Treffen in Brüssel ein Verbot der Lieferung von Waffen
und von Material, das für die “innere Unterdrückung” verwendet werden
kann. Auch die USA haben in den vergangenen Monaten ihre Wirtschaftssanktionen gegen Venezuela ausgeweitet.

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