Hochschulen: Uni und FH: Was unterscheidet sie?

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Unis und Fachhochschulen (Letztere heißen auch “Hochschulen für angewandte Wissenschaften”)
haben vieles gemeinsam: An beiden gibt es Bachelor- und Masterstudiengänge. An beiden sitzen
die Studenten in Vorlesungen und Seminaren, schreiben Klausuren und Hausarbeiten, bekommen
Creditpoints und Noten. An beiden macht man einen akademischen Abschluss – anders als bei
einer Ausbildung oder an einer Fachschule. An beiden wird geforscht, an beiden gibt es
gemeinsame Projekte mit Unternehmen. Unis wie auch FHs sollen ihren Studenten
wissenschaftliches Denken beibringen und sind verpflichtet, sie mit dem Bachelor
“beschäftigungsbefähigend” auszubilden.

Was also ist der Unterschied? Das Studium an der Uni ist “theoretisch”, das an der FH “praktisch”, lautet eine Faustregel. Streng genommen stimmt das nicht. Schließlich gibt es auch an Unis Praxisprojekte, auch an FHs lernen die Studenten theoretische Grundlagen. Als erster Hinweis hilft es aber durchaus weiter.

Zum Beispiel trifft man an der Uni auf Professoren mit einer Wissenschaftskarriere. Nach ihrer Doktorarbeit haben sie weitergeforscht, Tagungen besucht, Aufsätze in Fachzeitschriften veröffentlich und viel Zeit in eine große wissenschaftliche Arbeit – die Habilitation – gesteckt. Professoren an FHs haben ebenfalls einen Doktortitel, aber sie haben auch außerhalb der Hochschule gearbeitet – mindestens drei Jahre sind Pflicht. Bevor sie an die FH gekommen sind, waren sie also zum Beispiel Manager in Großkonzernen wie Airbus oder Siemens oder bei einem Mittelständler. Oder sie haben in der Verwaltung, in einem Verband oder in einem Krankenhaus gearbeitet – oft in einer Führungsposition. Ihre Kontakte aus dieser Zeit kommen auch ihren Studenten zugute. An fast allen Fachhochschulen gehört außerdem ein Praxissemester zum Studium, das man in einem Betrieb absolviert. Es zählt als Studienleistung und wird von Veranstaltungen an der Hochschule begleitet.

In Deutschland gibt es 106 Unis und mehr als doppelt so viele FHs. An der größten Fachhochschule, der TH Köln, lernen 25.000 Studenten – etwa fünfmal so viel wie an der kleinen Uni Clausthal. Doch das sind Ausnahmen. Im Schnitt studieren an einer FH 4.500 Studenten, an einer Uni dagegen 16.500. Zudem verteilen sich FH-Studenten oft auf mehrere Standorte. Das macht FHs überschaubarer, zumal meist in festen Gruppen gelernt wird.

Dafür haben Unis das breitere Fächerangebot. Das klassische Jurastudium gibt es nur dort. Dasselbe gilt in aller Regel für die Geisteswissenschaften und die klassischen Naturwissenschaften. FHs bieten Naturwissenschaften in angewandter Form an, also etwa Angewandte Chemie oder Biotechnologie. Stark vertreten sind Wirtschafts-, Ingenieur-und Informatikstudiengänge, auch Architektur, Soziale Arbeit, Wirtschaftsrecht, Medienstudiengänge und Pflegewissenschaft.

Mit dem Abitur darf man an FHs und an Unis studieren, mit der Fachhochschulreife an FHs und in bestimmten Fällen auch an der Uni.

Zurzeit wird viel gestritten, ob Fachhochschulen genauso wie Unis das Recht haben sollten, den Doktortitel zu verleihen. In Hessen können seit Kurzem forschungsstarke Fachrichtungen an FHs dieses Recht bekommen. Für Studienanfänger wichtiger als der hochschulpolitische Streit ist aber die Frage, welcher Lerntyp man ist und wo man sich mit der eigenen Persönlichkeit am besten aufgehoben fühlt.

An den 30 Verwaltungsfachhochschulen, die der Bund und die Länder betreiben, studieren Anwärter für den gehobenen Dienst. Die Hochschule des Bundes in Brühl bietet zwölf Bachelor- und Diplomstudiengänge an, die zum Beispiel für eine Laufbahn bei der Sozialversicherung, beim Bundesnachrichtendienst, bei der Bundespolizei oder als Verwaltungsinformatiker qualifizieren.

An den knapp 60 staatlichen und staatlich anerkannten Kunst- und Musikhochschulen in Deutschland findet man Studiengänge von Regie über Kammermusik bis Innenarchitektur. Meist muss man eine Eignungsprüfung bestehen.

Davon gibt es zwei, eine in München und eine in Hamburg. Studieren kann hier, wer die Offiziersprüfung bestanden und sich für 13 Jahre Dienst bei der Bundeswehr verpflichtet hat. Zivile Studenten zahlen Studiengebühren (bis 22.500 Euro für den Bachelor), können sich aber um ein Stipendium bewerben. Die Fächer reichen von Maschinenbau bis Psychologie.

Die christlichen Kirchen betreiben in Deutschland knapp 40 Unis und FHs. An kirchlichen Hochschulen kann man nicht nur Theologie studieren, sondern auch Fächer wie Soziale Arbeit oder Kirchenmusik. In Heidelberg gibt es eine Hochschule für jüdische Studien.

Knapp 200.000 Studenten sind derzeit an privaten Hochschulen eingeschrieben. Der Schwerpunkt liegt auf Wirtschaftsstudiengängen, auch die Bereiche Technik und Gesundheit findet man häufiger. Die Gebühren variieren, oft werden mehr als 500 Euro pro Monat fällig.

Die größte Fernuniversität ist die in Hagen (77.000 Studenten). Viele studieren dort nebenberuflich. An einigen Fernunis gibt es Präsenzphasen. Und: Manche Fächer kann man auch an staatlichen Unis als Fernstudium absolvieren.

Text: Silvia Tyburski, aktualisiert von: Lisa Srikiow

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