Fußball-Weltmeisterschaft: Die olympische Fackel des Fußballs

Bewaffnet mit einem Ball reist ein Ex-Profi durch 18 Länder zur WM nach Russland. Auf dem Weg will er den Balkan versöhnen und Thüringer mit Flüchtlingen zusammenbringen.

ZEIT ONLINE: Herr Aris, zum fünften Mal werden Sie vor einer Fußball-WM mit ihrem Bildungsprojekt The Ball durch die Welt reisen und Unterschriften auf einem Ball sammeln. Derzeit arbeiten Sie im Azraq-Flüchtlingslager im Norden Jordaniens. Was tun Sie dort?

Andrew Aris: In dem Lager leben etwa 35.000 syrische Bürgerkriegsflüchtlinge. Wir wollen dort in den nächsten 13 Monaten mehrere Fußball-, Theater- und Kunstworkshops durchführen und dabei Werte wie Fairplay, Toleranz und Respekt vermitteln. Die Flüchtlinge sollen sehen, dass sich die Außenwelt um sie kümmert. Der Besuch von The Ball 2018 auf dem Weg nach Russland wird ein Highlight im Campalltag sein. Außerdem wollen wir es mit dem Versuch, so viele Unterschriften wie möglich in 24 Stunden auf einen Ball zu bekommen, ins Guinness Buch schaffen. Das Prinzip von The Ball ist ja simpel: Jeder, der den Ball einmal köpft oder passt, darf unterschreiben.

ZEIT ONLINE: Was ist bis zur WM noch geplant?

Aris: Der Trip nach Moskau beginnt am 25. März. Traditionell starten wir im Battersea Park in London, wo 1864 das erste Spiel nach modernen Regeln ausgetragen wurde. Wir werden dann unterwegs Fairplayworkshops anbieten, bekannte Vereine besuchen und mit Leuten auf der Straße kicken und mit ihnen ins Gespräch kommen. Auf dem Balkan wollen wir Menschen aus dem Kosovo, Mazedonien, Serbien und Albanien, vielleicht auch Bosnien-Herzegowina und Kroatien zusammenbringen. Durch Spaß, Bewegung, Fußball, Kunst und Theater sollen Brücken entstehen.

ZEIT ONLINE: Haben Sie auch Kontakt zum DFB?

Aris: Wir würden in Russland gerne mit der DFB-Elf eine Teambuilding-Maßnahme machen. Weil die Jungs viel im Hotel sind, kann etwas Abwechslung und Motivation sicher helfen. Davon abgesehen ist es das Ziel, dass sie alle den Ball signieren. 2014 hat Mats Hummels unterschrieben und ist dann Weltmeister geworden. Unser Botschafter Jürgen Klopp hat bereits zugesagt, mit anderen Prominenten und Vereinen stehen wir in Gesprächen.

ZEIT ONLINE: Wie erlebt man eine WM, wenn man nicht einfliegt, sondern mühsam monatelang mit dem Pkw anreist?

Aris: Als wir 2010 nach 150 Tagen in Südafrika ankamen, war das sehr befremdlich. Überall waren Fußballtouristen, Karten konnten sich fast nur Weiße leisten. Ich habe mich in einem kleinen Dorf in Kenia wohler gefühlt. Das Eröffnungsspiel haben wir in Soweto in einem Park mit singenden, tanzenden Einheimischen verfolgt. Das war einfach großartig.

ZEIT ONLINE: Und 2014, auf dem Weg nach Brasilien?

Aris: In Brasilien hat uns sehr geärgert, dass es eine Sperrzone um die Stadien gab, in denen lokale Händler nichts verkaufen durften. Der Konsum steht immer mehr im Mittelpunkt, die angebotenen Markenprodukte sind austauschbar – eine traurige Entwicklung. Wir haben daraufhin beschlossen, keine Partie im Stadion mehr anzusehen. Ich finde es schade, dass die lokale Fußballkultur bei einer WM kaum eine Rolle spielt. Und warum muss man Milliarden Euro in neue Stadien stecken, die sich die Städte nicht leisten können, anstatt wirklich was für die Menschen vor Ort zu tun, indem man auf Bildung baut und die Infrastruktur verbessert?

ZEIT ONLINE: Hinter The Ball steht ihr Projekt Spirit of Football, eine Bewegung von Fußballfans, die an die gute Kraft des Fußballs glauben. Was könnte die Fifa von Ihnen lernen?

Aris: Bei der Fifa wird oft nur über Werte wie Fairplay, Respekt, Teamplay und Ehrlichkeit geredet, während sich die Funktionäre insgeheim durch Korruption die Taschen vollhauen. 2014 haben wir auf dem Weg durch die Schweiz angefragt, ob nicht ein Vertreter der Fifa auf unserem Ball unterschreiben würde. Dass wir eine Absage bekommen haben, fanden wir mehr als seltsam. Vielleicht wird sich unter der neuen Regie bei der Fifa etwas zum Positiven verändern.

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