Funktioniert die Genschere CRISPR auch ohne Schere?

CRISPR heißt jene Genschere, mit der DNA-Teile entfernt und ersetzt werden können. Aber nicht ohne Nebenwirkungen, denn ihr Einsatz bringt oftmals Mutationen im Genom mit sich. Jetzt wollen Forscher einen Weg gefunden haben, um diese zu umgehen: CRISPR soll defekte Gene einfach an- und ausschalten.

Regelmäßig neue Updates aus dem WIRED-Kosmos!

CRISPR heißt jene Genschere, mit der DNA-Teile entfernt und ersetzt werden können. Aber nicht ohne Nebenwirkungen, denn ihr Einsatz bringt oftmals Mutationen im Genom mit sich. Jetzt wollen Forscher einen Weg gefunden haben, um diese zu umgehen: CRISPR soll defekte Gene einfach an- und ausschalten.

Wenn wir das Verhalten eines Gens verändern wollen, wozu müssen wir es dann zerschneiden? Diese Frage haben sich Wissenschaftler vom Salk-Institut, eine Kaderschmiede für moderne Biowissenschaften, gestellt. Ihr Ergebnis: Die Genschere CRISPR könne doch einfach umgebaut werden – zu einem molekularen Schalter. Dieser soll Gene einfach an- sowie ausschalten können, anstatt defekte DNA herauszuschneiden und durch gesunde zu ersetzen. Diesen neuen Ansatz veröffentlichte das Team aus Kalifornien vor Kurzem im Fachjournal Cell.

Bisher gilt CRISPR, die Hoffnung der Biochemie, als eine Art Allzweck-Genschere, die zusammen mit zwei einfachen Molekülen jede gewünschte DNA-Stelle findet. Die Grundlage des Scherenschnitt-Systems bildet ein Enzym namens Cas9 aus Bakterien, das mithilfe eines kurzen Moleküls (RNA) an seine Ziel-Sequenz im DNA-Strang geführt wird. Dort schneidet das Enzym die DNA. Dabei können Gene zerstört oder gewünschte Sequenzen eingefügt werden.

Diese präzise und schnelle Methode gilt als Hoffnung der Biochemie, mit der in Zukunft zahlreiche Erbkrankheiten ausgelöscht werden könnten. Doch immer wieder zeigen jüngste Forschungen, dass CRISPR nicht immer ohne Nebenwirkungen schneidet. Erst im Mai dieses Jahres etwa veröffentlichte das Fachblatt Nature Methods eine Untersuchung, die dies belegen will: Mediziner der Columbia University haben Mäuse, die an genetisch bedingter Blindheit litten, mittels CRISPR wieder zum Sehen verholfen. Doch die Korrektur des defekten Gens führte zu etwa 1500 unerwarteten Mutationen.

„Die jüngste Revolution in Sachen zielgenaues Gen-Editing hat der Wissenschaft und Medizin neue Türen geöffnet“, zitiert Gizmodo einen Ko-Autoren der aktuellen Studie des Salk-Instituts. „Dadurch, dass der Doppelstrang durchschnitten wird, ist die Gefahr aber groß, dass es zu ungewollten Mutationen kommt. Da man diese Möglichkeit einfach in Betracht ziehen muss, wird es schwer, diese Technologie am Menschen einzusetzen.“

Comments are closed, but trackbacks and pingbacks are open.