Diese Transportkonzepte fordern den Hyperloop heraus

Zahlreiche Startups kämpfen darum, den Traum vom Hyperloop zu verwirklichen. Jedoch ist der Röhrenzug nicht das einzig Transportsystem, das sich anschickt, die Welt ein Stück kleiner zu machen. Auch andere futuristische Konzepte versprechen eine neue Art des Reisens.

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Zahlreiche Startups kämpfen darum, den Traum vom Hyperloop zu verwirklichen. Jedoch ist der Röhrenzug nicht das einzig Transportsystem, das sich anschickt, die Welt ein Stück kleiner zu machen. Auch andere futuristische Konzepte versprechen eine neue Art des Reisens.

Bis vor wenigen Jahren war der Hyperloop für viele noch eine spinnerte Vision. Als recht wages aber wegweisendes White Paper hatte Elon Musk die Idee für ein Hochgeschwindigkeitstransportsystem veröffentlicht. Gleich einer Rohrpost sollen Kapseln mit über 1.200 Kilometern pro Stunde durch einen Unterdrucktunnel geschossen werden. Startups wie Hyerloop One, Hyperloop Transportation Technologies, TransPod, Hardt Hyperloop, Elon Musks Boring Company und noch einige andere wollen den Traum in nutzbare Realität übersetzen. Dabei existieren durchaus noch andere spannende Konzepte und kuriose Ideen, die das Transportwesen umkrempeln könnten.

Bereits seit zwei Jahrzehnten will ein Konsortium die ganze Welt mit Unterdruckröhren überziehen und Passagiere in Mini-Kapseln umherfeuern. In Japan existiert bereits ein futuristischer und zugleich erprobter Superzug, der alsbald abertausende Menschen ganze ohne Vakuum zwischen einzelnen Metropolen transportieren wird. Noch schneller als der Hyperloop könnten auch die Überschallflugzeuge der nächsten Generation sein. Ebenso macht Hyperloop-Pionier Elon Musk seiner Idee sogar selbst Konkurrenz. Nämlich, in dem er mutige Reisende einfach einen Umweg über den Erdorbit nehmen lässt.

Boom Airliner

Am 26. November 2003 flog die Concorde zum letzten Mal. Damit war die goldene Ära der Überschallpassagierflugzeuge beendet. Doch das 2014 gegründete Startup Boom Technology will die Überschallflugzeuge zurückbringen. Geplant ist ein Jet, der 55 Passagiere mit bis zu Mach 2,2 um die Erde transportieren soll. Ein sonst rund 10 Stunden langer Flug von Berlin nach Shanghai wäre somit in weniger als vier Stunden machbar. Moderne Aerodynamik und neue Antriebskonzepte sollen den Flug nicht nur schnell, sondern auch effizient gestalten. Ende 2016 hat der Flugzeugbauer aus Denver, Colorado mit dem XB-1 Baby Boom bereits einen zweisitzigen Prototypen seines Jets vorgestellt, der im Herbst 2018 erste Testflüge absolvieren soll.

Unterstützt wird die Entwicklung bei Boom unter anderem von Richard Bransons Virgin Galactic. Ebenso soll The Spaceship Company, die das SpaceShipTwo und dessen Trägerflugzeuge für Virgin Galactic konstruiert, bei der Konzeption und Fertigung der Überschallflieger helfen. Branson hat zudem angekündigt, zehn der Maschinen für seine Fluglinie zu kaufen. Wobei Boom derzeit nicht das einzige Überschallflieger-Startup ist. Sowohl die Aerion Corporation als auch Spike Aerospace planen Business-Jets, die über Mach 1,5 erreichen könnten – aber nicht für Linienflüge eingesetzt werden sollen.

T-Flight

Es wäre sicher nicht falsch, das Projekt T-Flight des chinesischen Raumfahrtkonzerns CASIC als ehrgeizige Hyperloop-Adaption zu umschreiben. Genau wie im Hyperloop-White-Paper von Elon Musk beschrieben ist, will das Staatsunternehmen einen futuristischen Zug nicht auf traditionellen Gleisen, sondern einem Magnetfeld durch dicke Unterdruckröhren fahren lassen. Allerdings schrauben die Ingenieure aus Fernost ihre Ambitionen beim zeitweilig Hyperflight getauften Projekt ein ganzes Stück höher als Startups wie Hyperloop One und wagen auch einige Veränderungen am Basis-Konzept.

Statt kompakter Pods will die China Aerospace and Industry Corporation lange Kapseln von bis zu 36 Metern durch die Röhren feuern. Das zudem nicht nur bei 1.200 Kilometern pro Stunde, die die bekannten Hyperloop-Unternehmen anstreben, sondern mit bis zu 4.000 Kilometern pro Stunde. Die Kontrolle über die „fliegenden Züge“ soll daher einer Künstlichen Intelligenz überlassen werden. Strecken, die je aus zwei nebeneinander liegenden Röhren bestehen sollen, sollen vor allem chinesische Großstädte verbinden aber auch bis nach Europa reichen. Ob das realistisch ist? Daran gibt es zumindest so einige Zweifel.

SpaceX BFR

Elon Musk selbst hegt große Pläne, die seinen Traum vom Hyperloop kannibalisieren könnten. Im September 2017 hatte er die überarbeiteten Pläne eine Reise zum Mars präsentiert. Dabei stellte er auch die BFR vor: Die von seinen Raumfahrtingenieuren bei SpaceX entworfene Big Faclon Rocket – oder auch Big Fucking Rocket –, die ein Raumschiff samt Transportsektion für Passagiere als auch eine wiederverwertbare Raketenstufe vereint. Die soll aber nicht nur Menschen zum Mars bringen, sondern auch Orbitalflüge auf der Erde absolvieren. Sie würde dafür aufsteigen, mit bis zu 27.000 Kilometern pro Stunde an der Grenze zum All entlang fliegen und am Zielort wieder aufsetzen.

Mit den vergleichsweise „kleinen Hopsern“, wie sie Musk in einer Frage-Antwort-Runde auf Reddit bezeichnete, könne die BFR jeden Ort auf der Erde in unter einer Stunde erreichen. Ein Trip von Paris nach New York City wäre in 30 Minuten machbar – mit einem Flugzeug dauert das über acht Stunden. Starten und landen würden die BFR-Raumschiffe auf gesonderten Raketenhäfen oder schwimmenden Plattformen nahe der Küste von wichtigen Metropolen. Bereits im kommenden Jahr könnten erste Testflüge stattfinden. Was ein Ticket für einen BFR-Flug kosten soll? Dazu mochte sich Elon Musk bislang noch nicht äußern.

SCMaglev

Zumindest in den USA und Japan könnte der Hyperloop einiges an Konkurrenz von einem über 100 Jahre alten Konzept bekommen. Nämlich vergleichsweise traditionellen Magnetschwebebahnen. Seit den 1970ern hat die Central Japan Railway Company am SCMaglev-Magnetschwebesystem gearbeitet. Anders als beim Transrapid werden die Gleise dabei nicht vom Zug umklammert. Stattdessen halten Mauern mit Magneten ihn in der Spur und supraleitende Magnetspulen im Fahrwerk in der Schwebe. Derzeit entsteht zwischen Tokio und Nagoya eine erste kommerzielle Strecke, die 2027 fertiggestellt werden soll. Auf Testfahrten haben die experimentellen Schwebezüge schon zahlreiche Rekorde eingefahren. Zuletzt erreichte ein Modell der L0-Reihe 603 Kilometer pro Stunde.

Das 2011 gegründete US-Konsortium The Northeast Maglev will die japanische Magnetschwebe-Technik in die USA holen. Dabei soll in einem ersten Schritt eine Strecke zwischen Washington DC und New York City entstehen – mit einer Reisezeit von knapp einer Stunde. Doch während es das SCMaglev-System in Japan dem Hyperloop tatsächlich schwer machten könnte, scheint Elon Musk der Technik in den USA zuvor zukommen. Genau die Stecke, die die Northeast Maglev schaffen soll, hat er mit seiner Boring Company bereits begonnen für den Hyperloop auszubauen.

CALT Weltraumflugzeug

Elon Musk ist nicht der einzige, der Stadt-zu-Stadt-Transporte über das All ermöglichen könnte. Die staatliche China Academy of Launch Vehicle Technology hatte 2016 recht ehrgeizige Pläne angekündigt, die SpaceX’ BFR Paroli bieten könnten. Dabei sieht das Konzept der Chinesen aber noch einen Zacken mutiger aus. Denn die Ingenieure der Forschungsanstalt wollen keine einfache Rakete bauen, sondern ein Weltraumflugzeug. Das soll ohne eine Trägerrakete in der Vertikale abheben und gleich einem Space Shuttle oder Flugzeug auf einem Rollfeld landen.

Geplant sind zwei Versionen des Raketenflugzeugs. Nämlich eine mit sechs und eine weitere mit zwölf Metern Spannbreite – die fünf respektive 20 Passagiere aufnehmen könnten. Jedoch ist das Raumschiff zuvorderst für Tourismusflüge ins All oder zum Aussetzen von Satelliten gedacht. Allerdings würde das namenlose Vehikel auch für suborbitale „Hopser“ taugen – wie sie die BFR von SpaceX durchführen soll. Aktuell würde an einem Prototypen gearbeitet, dessen Technik sich erst bei Erprobungen und Testläufen bewähren muss. Nach dem Zeitplan von CALT könnte das Raumschiff aber bereits zwischen 2018 und 2020 seinen ersten Flug absolvieren.

ET3

Geht es Daryl Oster sind ET3 – kurz für Evacuated Tube Transport Technologies – und Hyperloop eigentlich keine Konkurrenten. Beide Konzepte setzen darauf, Menschen durch Röhren zu schießen, aber würden unterschiedliche Philosophien verfolgen. Mutmaßlich könnte das bereits 1997 begründete ET3 Elon Musk inspiriert haben. Es wird in seinem White Paper explizit als „extreme Herangehensweise“ an die Röhrenidee erwähnt. Tatsächlich will Oster mit seinem Konsortium ein deutlich wagemutigeres Transportsystem realisieren. Denn ET3 soll nicht nur eine große Station in einer Stadt bieten, sondern eher wie ein U-Bahn- oder S-Bahn-Netz funktionieren, das sich innerhalb einzelner Regionen verästele. Damit würde es die Passagiere direkt an ihren gewünschten Zielorte statt nur in deren Nähe bringen.

Dafür sollen die Röhren von ET3 verglichen mit dem Hyperloop deutlich kleiner ausfallen ebenso wie die Pods, die mit bis zu 6.500 Kilometern pro Stunde unterwegs wären. Erreicht werden würde das durch ein nahezu perfektes Vakuum im Tunnelinneren. Dazu soll das System mit der Ambition konstruiert werden, nicht nur national, sondern international verknüpfte Streckennetze zu etablieren. Dadurch solle es möglich werden, irgendwo auf der Welt in eine Kapsel zu steigen und direkt am Taj Mahal, der Freiheitsstatue oder dem Brandenburger Tor auszusteigen – und das für den Preis eines Billigfluges. ET3 hat zwar zahlreiche Patente angemeldet, Lizenzen verkauft aber einen eigenen Prototypen oder eine bereits vor Jahren angekündigte Teststrecke gibt es bis heute nicht.

Arrivo

Bis Mitte 2016 stand der Ingenieur Brogan BamBrogan hinter Hyperloop One. Jedoch hat er sich mit den Co-Gründern überworfen. Nun gehört er zur Riege des Start-ups Arrivo, das zwar vom „Hyperloop-Konzept inspiriert“ sei aber noch deutlich mehr wagen wolle und erreiche solle. Denn letztlich will Arrivo zwar ein System aus Vakuumröhren entwickeln, durch das überschallschnelle Gefährte rauschen. Aber eben nicht nur. Das erst im Februar 2017 gestartet Unternehmen möchte auch den Weg vom eigenen Heim zur Hyperloop-Station und zurück mitdenken – quasi die erste und letzte Meile.

Daher will Arrivo nicht nur Pods für die Tunnel konstruieren, wie sie Hyperloop One oder verschiedene Universitätsteams vorgestellt haben. Stattdessen will das Start-up eine ganze Reihe von Vehikeln entwickeln, die für unterschiedlichste Aufgabenbereiche konzipiert wären. Diese sollen dann nicht alleinig durch die Tunnel sausen, sondern eben auch wie gewöhnliche Automobile auf der Straße unterwegs sein. Damit könnten Familien mit dem eigenen Pod-Wagen oder Lieferanten mit ihren Transport-Kapslen übergangslos vom Asphalt der Stadt in die Röhre und wieder hinausfahren. Für klassische Autos soll es zudem Schlitten geben, auf die diese bei Hyperloop-Portalen einfach aufgeladen werden.

Clip-Air

Eidgenössische Technische Hochschule Lausanne

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