Bietet das Darknet neue Schwarzmärkte für Kunstdiebe?

Im Frühling dieses Jahres landen Kunsträuber einen dicken Coup: Aus einer Galerie in Neuseeland stehlen sie zwei Gemälde des berühmten Malers Gottfried Lindauer. Eines davon wird jetzt im Dark Web für mehr als 560,000 Euro angeboten. Aber ist es wirklich echt?

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Im Frühling dieses Jahres landen Kunsträuber einen dicken Coup: Aus einer Galerie in Neuseeland stehlen sie zwei Gemälde des berühmten Malers Gottfried Lindauer. Eines davon wird jetzt im Dark Web für mehr als 560,000 Euro angeboten. Aber ist es wirklich echt?

Um etwa 3:30 Uhr am 1. April, 2017 kracht ein Lieferwagen in das Schaufenster des International Art Centre in Auckland, Neuseeland. Die Scheibe zerschmettert bei der Kollision, die kein Unfall war. Denn so verschaffen sich Kunsträuber Zutritt zur Galerie und stehlen zwei außergewöhnliche Bilder des Künstlers Gottfried Lindauer, die versteigert werden sollen.

Eines der geraubten Werke ist ein 133 Jahre altes Porträt des Māori-Häuptlings Chief Ngatai-Raure. Jetzt ist es im Dark Web aufgetaucht. Auch wenn der Verkäufer die Echtheit des Gemäldes garantiert, bezweifeln Experten, dass es sich dabei tatsächlich um das Original handelt. Sicher ist: Mit der Versteigerung eines einzigartigen Kunstwerkes wie diesem, betreten Kriminelle im Darknet völlig neue Wege.

„Hier können sie ein streng geheimes Original des böhmischen Malers Gottfried Landauer ersteigern, das 2017 in Auckland, Neuseeland gestohlen wurde“, schreibt der Verkäufer, der sich Diabolo nennt. Seit etwa drei Wochen steht das Angebot auf dem White Shadow Market, eine Art E-Bay für Dinge aus dem Darknet. Die Plattform wurde in Russland entwickelt und behauptet, die sicherste auf der dunklen Seite des Internets zu sein.

Seit etwa drei Wochen wird das Bild namens „Häuptling Ngatai-Raure“ von Gottfried Lindauer im Dark Web angeboten. 

Aktuell gibt es zwei Gebote für das Kunstwerk, das führende liegt bei 35.1129 Bitcoins. Dies entspricht einer Summe von etwa 242,500 Euro (216,000 Pfund). Wer auf Nummer sicher gehen möchte, kann das Gemälde auch sofort für 560.000 Euro (500.000 Pfund) kaufen, ganz ohne zu bieten.

„Diese Anzeige ist für 99 Prozent der Darknet-User uninteressant, denn so viel Geld haben nicht“, schreibt Diabolo in einer Nachricht, die er über das Chat-System der Webseite verschickt. „Dieses Angebot ist vor allem für Sammler und reiche Menschen (vielleicht Regierungen ;)) gedacht.“

Im Angebot auf White Shadow Market behauptet Diabolo, dass es sich bei dem Gemälde um das Original handle und es nach erfolgreichem Abschluss binnen vier Tage in einer Holzkiste an den Käufer verschickt werden würde. Angeblich befände sich das Werk seit drei Monaten in seinem eigenen Besitz, er selbst habe es nicht gestohlen und kenne auch die Diebe nicht.

Zum Verbleib des Gemäldes wollte er keine Angaben machen, als Grund für den Verkauf nennt Diabolo finanzielle Gründe: „Uns gefällt es nicht, wir wollen das Geld.“ Das zweite geraubte Werk trägt den Namen Chieftainess Ngatai–Raure (Die Häuptlingsfrau Ngatai–Raure). Gottfried Lindauer, ein gebürtiger Tscheche und späterer Wahl-Neuseeländer, ist einer der berühmtesten Maler Neuseelands. Da sein Stil einzigartig ist, sollte es relativ schwer werden, die Gemälde öffentlich und auf legalem Wege zu verkaufen.

Die großen Darknet-Schwarzmärkte stehen unter Beschuss. Aber wer steckt dahinter, und wohin entwickelt sich der anonyme Handel im verschlüsselten Internet? WIRED ist auf Spurensuche gegangen.

Experten bezweifeln, dass das Bild echt ist. „Der Rahmen scheint nicht original zu sein“, sagt Hamish Coney, der Leiter der Art and Object Galerie in Neuseeland. „Entweder hat jemand das Gemälde nach dem Diebstahl in diesen gesetzt oder das Bild im Verkaufsangebot mit Photoshop bearbeitet.“ Auch die Ränder der Leinwand seien seines Dafürhaltens etwas zu sauber und unversehrt für ein 133 Jahre altes Werk. Der Sofort-Kaufpreis liege außerdem über dem eigentlichen Wert des Bildes von 200.000 bis 260.000 Euro.

WIRED kontaktierte den Verkäufer und bat um Belege, die die Echtheit bezeugen können. Als Antwort erhielten wir ein Foto, das das Gemälde zeigt, an dem ein Post-It mit dem aktuellen Datum klebt. Dies allein ist allerdings noch lange kein Beweis, weitere Anfragen blieben unbeantwortet.

„Diese beiden Werke sind etwas ganz besonderes, denn die Māori glauben, dass ihre Vorfahren tatsächlich in diesen Bildern leben“, erklärt die Experten für Māori-Kunst Ngarino Ellis von der Universität in Auckland. „Arbeiten von Charles Frederick Goldie oder eben Gottfried Lindauer werden gestohlen, weil ihr hoher Wert in ganz Neuseeland bekannt ist.“

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