Ab Neujahr legal: Deutsche Startups bringen Insekten-Food

Heuschrecken statt Fleisch: Eine neue EU-Verordnung soll im kommenden Jahr den Handel mit Insekten einheitlich regeln. Die deutsche Startup-Szene steht schon bereit.

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Heuschrecken statt Fleisch: Eine neue EU-Verordnung soll im kommenden Jahr den Handel mit Insekten einheitlich regeln. Die deutsche Startup-Szene steht schon bereit.

Die Speise-Mehlwürmer von Nicole Sartirani sind in weißen Plastikkisten von IKEA untergebracht. Im Terrarium darüber befinden sich die Grillen, die mögen es lieber ein bisschen wärmer. Insekten zu züchten sei sehr einfach, sagt Sartirani. Fast schon zu einfach. „Man muss eher aufpassen, dass sie sich nicht zu stark vermehren.“

Einmal in der Woche steht sie hinter ihrem Stand bei einem Street-Food-Markt in Berlin. Hier bereitet sie Gerichte aus Insekten zu, zum Beispiel das Heuschrecken-Schwimmbad (Erbsencreme mit Heuschrecken-Spießen) oder Garten Eden (Salatwrap mit Mehlwürmern). Die Zutaten dafür stammen nicht aus ihren Plastikkisten, sondern aus einem Onlineshop für Speiseinsekten. Die Mehlwürmer und Grillen aus ihrem Wohnzimmer kann sie nur für ihren eigenen Verbrauch nutzen, Insekten für den Verkauf zu züchten, ist in Deutschland bisher verboten. Sartirani hofft aber, dass sich das bald ändern wird.

Zum ersten Januar 2018 tritt eine EU-Verordnung in Kraft, die Insekten zum ersten Mal explizit als neuartige Lebensmittel einstuft. Bisher war der Umgang nicht klar geregelt, denn in der noch immer aktuellen Novel-Food-Verordnung von 1997 werden die Tiere nicht einmal erwähnt. Die Genehmigung von Insektenprodukten hängt deshalb bisher vom jeweiligen Land oder der Region ab. Die Niederlande und Belgien haben Insekten nicht als Novel Food betrachtet, wodurch der Handel und die Zucht erleichtert werden. Deutschland hingegen schon, das bedeutet der Verkauf hierzulande ist weitaus schwieriger. Mit der neuen Novel-Food-Verordnung könnte sich das ändern – darauf hoffen zumindest die deutschen Insekten-Startups.

Der Bux Burger aus Mehlwürmern von Burgerfoundation

So wie Bugfoundation aus Osnabrück, dessen Gründer Burger aus Mehlwürmern herstellen. Wegen der strengen Auflagen in Deutschland konnten sie ihr Produkt bisher nur in die Niederlande und nach Belgien verkaufen. Bugfoundation-Gründer Max Krämer fordert mehr Chancengleichheit auf dem Markt: „Aktuell herrscht eine ziemliche Wettbewerbsverzerrung. Das finden wir kritikwürdig, weil das Lebensmittelrecht ja eigentlich europaweit gilt. Schade ist, wenn das in der Praxis dann nicht so durchgesetzt wird.“ Ab dem ersten Januar 2018 wollen er und sein Mitbegründer Baris Özel ihre Bux Burger auch in Deutschland verkaufen. „Es ist der Moment, auf den wir jahrelang gewartet haben. Das wird jetzt ein Heimspiel.“ Die Gründer wollen ihr Produkt vor allem in deutschen Supermärkten vertreiben, so wie jetzt auch schon in den Niederlanden. Dort soll noch in diesem Jahr eine Kooperation mit der Makro starten, der niederländischen Version der Metro.

Insekten müssen wie alle neuartigen Lebensmittel erst von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit, der EFSA, geprüft werden. Ab Januar 2018 kann man bei der EFSA ein Dossier einreichen, um die Unbedenklichkeit der Insekten zu beweisen. Gibt die EFSA ihr Okay, darf das jeweilige Insekt auf dem europäischen Markt verkauft werden. Das kann allerdings bis zu 18 Monate dauern. Es gibt aber auch eine Übergangsphase für Firmen, die schon vor der neuen Verordnung Insekten auf dem europäischen Markt verkauft haben.

Folke Dammann von Snack-Insects mit einigen seiner Produkte

Die Kriterien für die Genehmigung seien bisher zu wenig ausgearbeitet, findet Folke Dammann. Er betreibt den Onlineshop Snack-Insects, von dem auch Nicole Sartirani ihre Insekten bezieht. Auch die Übergangsphase sei ihm bisher zu wenig konkretisiert. Doch sobald die Insekten genehmigt seien, sei die Verordnung eine gute Sache, „weil man dann viel sicherer arbeiten kann“. Dann will Dammann auch mehr mit verschiedenen Produkten aus Insektenmehl experimentieren. Bisher vertreibt er in seinem Shop nur ganze Insekten, die er von Farmen aus Frankreich und den Niederlanden bezieht.

Das Startup SWARM Protein verwendet bereits gemahlene Insekten für sein Produkt, das Team stellt Proteinriegel für Sportler her. Diesen Herbst haben die Gründer Timo Bäcker und Christopher Zeppenfeld über Crowdfunding 50.000 Euro für die erste Produktion eingesammelt, im Dezember wollen sie die Riegel verschicken. Im Gegensatz zu Bugfoundation haben sie vor kurzem die Genehmigung bekommen, ihre Riegel in Deutschland zu verkaufen. Wie genau ihnen das gelungen ist, wollen sie lieber nicht verraten. Der neuen Verordnung sehen sie mit gemischten Gefühlen entgegen: „Es werden jetzt sicherlich ein paar Player mehr auf dem Markt dazukommen,“ sagt Timo Bäcker von SWARM Protein.

Die Proteinriegel aus Grillenmehl von SWARM Protein

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